Trauer

 

Wer trauert, fühlt sich getrennt von allem.

Gerade in dieser Situation ist es wohltuend mit den richtigen Worten Anteilnahme zu zeigen.

Die Gedichte dieser Seite sind zum einen Ausdruck erlebter Trauer, zum anderen Gedichte, die sich mit Tod und der menschlichen Vergänglichkeit an sich beschäftigen.

 

Vergessen werde ich dich nicht

 

Du nahmst alle Farben mit.
Die Welt liegt schleiermatt
um mich herum wie ein Entwurf,
der keine Zukunft hat.

 

 

Kann meine Seele heller werden,
und Atmen wieder leicht?
Ist Hoffnung, dass der Schmerz jemals
erneuter Freude weicht?

 

 

Mein Glück ist fort.

Ein neues nicht in Sicht.
Doch sollte es mich überraschen -
vergessen werde ich Dich nicht.

©Renate Eggert-Schwarten

 Wer weiß

 

Wir kommen, wer weiß, woher.
Wir gehen, wer weiß, wohin.
Wir sind wie die Welle im Meer
allein und doch darin.

 

 

Wir sind wie das Licht ein Teilchen
und ebenso ein Strahl.
Wir sind auf der Erde ein Weilchen
und vielleicht ein ums andere Mal.

 

 

Wer weiß, woher wir gekommen,
wer weiß, wohin wir gehen?
Es bleibt für uns  verschwommen,
bis wir selbst am Ende stehen.

©Renate Eggert-Schwarten

Wenn Engel einsam sind

 

Wenn Engel einsam sind
in ihren Kreisen,
dann gehen sie von Zeit
zu Zeit auf Reisen.

Sie suchen auf der ganzen Welt
nach ihresgleichen,
nach Engeln, die in Menschgestalt
durchs Leben streichen.

Sie nehmen diese mit
zu sich nach Haus –
für uns sieht dies Verschwinden
dann wie Sterben aus.

©Renate Eggert-Schwarten

Für Menschen, die ein christliches Trauergedicht suchen:

Glaubenszuversicht

 

Du bist der, von dem ich komme,
Du bist der, zu dem ich gehe.
In des Alltags Widrigkeiten
spür ich Dich in meiner Nähe.

Du bist der, von dem ich komme,
Du bist der, zu dem ich gehe,
und mein Päckchen trägt sich leichter,
wenn ich dabei auf Dich sehe.

Dieses Wissen, dass Du da bist
stärkt mich dort, wo ich grad stehe.
Du bist der, von dem ich komme,
Du bist der, zu dem ich gehe.

©Renate Eggert-Schwarten

 

Lachen und Weinen

 

Lachen und Weinen
Freude und Trauer
sind, wie wir wissen,
zumeist nicht von Dauer.

 

Beim Lachen ist’s schade,
beim Weinen nicht,
denn wer zeigt der Welt gern
sein feuchtes Gesicht?

 

Und dennoch gehören Weinen und Lachen
eben zu jenen besonderen Sachen,
die aus uns Geschöpfen Menschen machen.

©Renate Eggert-Schwarten

Zwei Gedichte von Rainer Maria Rilke zum Schluss dieser Seite. Sie gehören für mich zum Besten und Tröstlichstem, das von Dichtern über den Tod gesagt wurde.

 

Herbst

 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

 

 

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

 

 

Wir alle fallen.  Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

 

 

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

 

Schlussstück

 

Der Tod ist groß,
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Rainer Maria Rilke