Ruhestand 

 

Endlich Zeit für all das haben, was bisher zu kurz kam.

 

 

  

Die ersten drei Gedichte beschäftigen sich auf humorvolle Art mit dem Ruhestand.

Ein Hoch der Pension

 

Jedes Ding hat seine Zeit,
schön sind Dienst und Lohn,
doch noch schöner – kommt mir vor –
wird die Pension!

 

Kinder, Hund und Enkelkinder,
jeder wartet schon,
und du hast für alle Zeit,
einschließlich Schwiegersohn.

 

Du kannst alles spielen lernen:
Tuba, Saxophon
oder – falls dir das zu laut ist –
Schach ganz ohne Ton.

 

Fehlt dir etwas mehr Bewegung?
Sport wär’ die Option.
Schwimmen, Radfahr’n, Laufen auch,
nur nicht gleich Triathlon!

 

Wem Sport zu beschwerlich scheint,
und zu monoton,
der wählt schöne Platten aus
und tanzt zum Grammophon.

 

Mancher macht im Alter erst
seine Promotion.
Alle Achtung und Hut ab:
Gratulation!

 

Wolltest du schon immer mal
auf Expedition?
Afrika und Asien warten,
Nil, Shanghai, Kanton...

 

Oder du genießt die Welt
schlicht auf dem Balkon
und guckst Afrika bequem per
Television.

 

Ruhestand, der bietet beides,
Ruhe und Aktion.
Und die Wahl liegt nun bei dir,
ein Hoch der Pension!

©Renate Eggert-Schwarten

Die nächsten zwei Gedichte sind aus Sicht der Arbeitskollegen geschrieben und lassen sich deshalb gut bei einer Abschiedsfeier verwenden.

Liebhaber der Arbeit

 

Für einen, der die Arbeit liebt,
ist Pension nicht leicht.
Er fürchtet, dass im Müßiggang
das Hirn langsam erweicht.

 

Für einen, der die Arbeit liebt,
ist Zeitdruck Fiktion,
Adrenalin Frühstücksersatz
und Stress ein Glückshormon.

 

Für einen, der die Arbeit liebt,
wird Ruhestand schnell Last.
Er fühlt im eignen Leben sich
als ungebet’ner Gast.

 

Für einen, der die Arbeit liebt,
ist es unvorstellbar,
dass er von nun an Urlaub hat
und das nun Jahr um Jahr...


Was immer du in Angriff nahmst,
es hatte Hand und Fuß,
so mach nun aus dem Ruhestand
auch einen Hochgenuss!

 

Fehlt dir der Stress, geh in die Stadt!
Setz dich dem Lärm dort aus,
und kehre dann glücklich gestresst
wieder zurück nach Haus!

 

Adrenalin gibt es umsonst
auf Deutschlands Autobahnen,
man muss die Fahrten nur geschickt
zum Ferienanfang planen.

 

Wer Urteilskraft und Denkvermögen
gezielt erhalten will,
dem bleibt schließlich noch eins zu tun:
Fernseher auf den Müll!

 

So präpariert kannst du den Tag
ganz neu für dich erfinden
und den Verlust der Arbeit auch
problemlos überwinden.

 

Dann wird dein Tag sein wie ein Buch
mit unbeschrieb’nen Seiten,
die dich zu täglich anderen
Versuchungen verleiten.

 

Was immer du verschoben hast,
es wartet vor der Tür.
Was immer du noch machen wolltest:
jetzt ist die Zeit dafür

 

Und fällt dir mal an einem Tag
partout nichts andres ein,
dann schau doch einfach bei uns, die wir
schuften müssen, rein!

©Renate Eggert-Schwarten

Arbeitsalltag ade

 

Wecker klingelt früh am Morgen.
Raus ins Kalte, dafür sorgen,
dass die Dusche schon mal warm wird.
Wasserpreise, dass man arm wird!
Draußen regnet’s. So ein Mist!
Da das nicht zu ändern ist,
suchst du deine Regenhaut,
die den Schweiß so herrlich staut.
Die liegt leider im Büro.
Na, dahin willst du sowieso...

 

Kaffee wäre jetzt ein Lichtblick,
doch der Automat, das Miststück,
ist dir gestern durchgebrannt,
Filter hast du nicht zur Hand.
Instantkaffee schmeckt nach Pappe. -
(Mecker nicht und halt die Klappe!
Hör auf hier herumzuweinen,
besser Instant als gar keinen!)

 

Beim Versuch ihn aufzugießen
musst du ausgerechnet niesen,
Pulver fliegt dir durch die Küche,
und auch deine ärgsten Flüche
helfen dir nicht wirklich weiter,
also wischt du – gar nicht heiter –
sorgsam mit dem feuchten Tuch
alles auf. Bei dem Versuch,
auf den Boden dich zu bücken,
schießt es dir – zack – in den Rücken.

 

Vorsichtig machst du dich grade,
Rücken winselt: bitte, Gnade!
Ach, er tut dir wirklich Leid,
aber du hast keine Zeit.
Gnade gibt es vor Gericht,
Montag Morgen aber nicht.

 

Anstatt dich ins Bett zu legen,
um dich bald gesund zu pflegen,
schleppst du dich durch Wind und Regen
hin zum Dienst. Krank? Du? Von wegen.....!

 

 

Wenn wir in Brot und Arbeit stehen,
kann es uns grad so ergehen.
Dir bleibt dieses nun erspart,
du änderst deine Lebensart.
Ab jetzt duscht du in aller Ruhe,
suchst weder Schirm noch Regenschuhe,
gehst nur hinaus, wenn es dir passt,
und - falls du Regenwetter hasst -
bleibst du, solang du magst, im Bett,
genießt das Frühstück vom Tablett
und denkst voll Mitleid an Kollegen,
die grade jetzt, bei Sturm und Regen,
sich mühsam in den Dienst bewegen...
Ach, Pension, du bist ein Segen!

©Renate Eggert-Schwarten

Im nächsten lustigen Gedicht zur Rente habe ich meinem Wortspieltrieb gefrönt. Man möge mir die unreinen Reime verzeihen!

Rentner

 

Ich hab Zeit, ich bin jetzt Rentner.
Von heut ab wird mein Leben etwas turbulenter.
Im Gegensatz zu früher bin ich auch solventer,
weil ich jetzt Rente krieg, ich bin ja Rentner.

Ich mache Fortbildung, ich bin ja Rentner,
und am Computer bin ich schon viel kompetenter.
Das Internet wird für mich laufend transparenter,
seit ich dort surfen geh, ich bin ja Rentner.

Ich fühlte mich vom Leben früher viel getrennter,
da musst’ ich arbeiten und war kein Rentner.
Mein Dasein ist zwar heute etwas dekadenter,
aber das darf so sein, ich bin ja Rentner.

Ich liebe alte Filme mit Happyend sehr,
die seh ich mir nachts an - ich bin ja Rentner.
Das frühe Aufstehn ist für mich kein Argument mehr,
ich leb im Ruhestand, ich bin ja Rentner.

Ich werd, was Arbeit angeht, immer abstinenter,
doch Faulsein steht mir zu, ich bin ja Rentner.
Nur ab und zu fahr ich ins nahe Gartencenter,
denn Gartenarbeit macht viel Freude, nun als Rentner.

Mein Blumengarten wird allmählich opulenter,
denn für die Pflanzen geb ich noch den letzten Cent her,
Was soll’s? Ich hab das Geld, ich bin ja Rentner,
und ohne Gartenarbeit wär ich korpulenter.

Kommt mal ein Grippekeim, ein virulenter,
bleib ich gesünder als manch andrer Rentner,
denn ich mach mich durch Impfung resistenter,
das ist ja wohl um Einiges patenter.

Bei Festen bin ich heutzutage viel präsenter,
man hat ja Zeit, jetzt so als Rentner.
Ich trinke Wein statt Schnaps, das ist intelligenter,
und schmeckt – ganz nebenbei - auch exzellenter.

Als junger Mensch war ich recht laut und vehementer,
ich diskutierte gern und gab mich renitenter.
Ging es um Politik, dann war ich eloquenter,
doch jetzt als Rentner werd ich immer transzendenter.

Nur eines stört mich noch: das Wörtchen „Rentner“.
Es klingt mit jedem Mal impertinenter.
Wo wäre denn ein ausrangierter Prominenter,
der von sich selbst behauptete, er wäre Rentner?

Wer meint, dass er so einen Prominenten kennt, der
ist ein Lügner, ein ganz stringenter!

Und weil das Wort mir jetzt so über ist,
nenn ich von heute an mich Pensionist!

©Renate Eggert-Schwarten

Ein etwas ernsthafteres Gedicht zum Ruhestand soll nicht fehlen:

Zwischen Altem und Neuem

 

Das vertraute Leben endet,
etwas Neues kann beginnen,
wieder wird ein Blatt gewendet,
und es gilt, sich zu besinnen.

 

Trauerst du dem Alten nach?
All dem, was dir so bekannt ist,
oder macht dich Neues wach,
weil es Reiz für den Verstand ist?

 

Wärst du lieber noch geblieben,
hättest weiter mitgetan,
oder fängt für dich ab heute
erst das wahre Leben an?

 

Schaust du auf die Tür im Rücken,
die sich nun auf einmal schließt,
oder siehst du voll Entzücken,
wie dein Leben weiter fließt?

 

Wie du’s anfängst, ist es richtig.
Es geht nicht mehr um Gewinn.
Nicht das Ziel ist jetzt mehr wichtig,
sondern nur der Weg dorthin.

 

Möge alles dir gelingen,
mögest du voll Tatkraft sein,
dich auf neue Pferde schwingen
und dich auf die Zukunft freun!

©Renate Eggert-Schwarten