40. Geburtstag

Die 40er Jahre sind die besten,
sagt man. Vieles ist bereits geschafft, manches soll erst noch werden. Lustiges, Mutmachendes, Positives für den Weg in die zweite Lebenshälfte drücken die folgenden Gedichte aus.

Das erste der Gedichte zum 40. Geburtstag wendet sich an eine Single-Frau und sollte auch von einer Frau vorgetragen werden, weil es in Ich-Form geschrieben ist. 
Es wurde für eine sehr musikalische Freundin geschrieben. Die Töne der Tonleiter 
( C –  D –  E –  F –  G –  A –  H –  C ) wurden dabei als Anfangsbuchstaben der Verse benutzt.

Tonleiter für die Frau ab 40

 

C
Charakter,  Charme und  Charisma,
das haben wir zu bieten,
falls „Mann“ dies nicht zu schätzen weiß,
zähl ihn gleich zu den Nieten!
Die reife Frucht besticht durch Süße,
Aroma und durch Saft,
das grüne Obst hat manchem schon
‘nen Darminfekt verschafft.
D
Ddarfst“, fällt mir dazu gleich ein.
Du darfst tun, was du willst.
Du bist nicht länger darauf aus,
dass du die Norm erfüllst.
Deformierung durch Diäten
sind für dich ein alter Hut,
alles das ist Schnee von gestern,
wie du bist, so bist du gut!
E
Eh ich in die  Ehe gehe,
wenn ich über vierzig bin,
schau ich, was die Männer angeht,
noch einmal genauer hin:
kann er mich ernähren?
Das kann ich allein!
Soll’t er Liebe schwören,
fall ich nicht drauf rein.
- Jedenfalls nicht auf der Stelle –
ich schau länger hin,
wenn er überdauert,
ändre ich meinen Sinn.
F
Fitness ist in unsrem Alter
wirklich völlig unerlässlich.
Ohne bist du Mitte vierzig
- spätestens - abgrundtief hässlich.
So steht es in jeder Zeitschrift:
Petra, Vogue, Brigitte auch,
ganz besonders stark gefährdet
sind der Po und auch der Bauch,
deshalb kam ich zu dem Schluss,
dass ich die nicht lesen muss.
G
Grundsatz,  Geist,  Gewissen,  Größe
Sind gewiss erstrebenswert,
aber ohne diesen Anspruch
lebt man völlig unbeschwert.
Man guckt abends alte Filme
Einfallslos und mit Genuss
und schämt sich nicht im Geringsten,
wenn man dabei heulen muss.
A
Augen sind das  A und O.
Sie beherrschen das Gesicht.
Wangen, Lider, Lippen altern,
aber Augen nicht!
Außer Augen altert alles,
das ist leider Fakt,
deshalb ist mein Badezimmer
randvoll zugepackt
mit Tiegeln und Töpfchen, mit Tuben und Döschen
voll Gel, Schaum, Lotionen und Puder fürs Näschen,
zum Peelen, zum Duschen, zum Färben und Fönen,
zum Ölen und Straffen und schlicht zum Verwöhnen.

H
a,  ha,  hi,  hi,  ho,   ho!

Wir sind jetzt beim  Humor.
Was früher mich verärgert hat,
kommt mir heut komisch vor.
Nach einem wirklich harten Schlag
Mach ich heut einfach weiter,
Humor, mein Freund, verlass mich nie,
ich bin so gerne heiter!
C
Charme,  Charakter,  Charisma,
das haben wir zu bieten,
falls Mann dies nicht zu schätzen weiß,
zähl ihn gleich zu den Nieten.
Die reife Frucht besticht durch Süße,
Aroma und durch Saft.
Das grüne Obst hat manchem schon
’nen Darminfekt verschafft!

©Renate Eggert-Schwarten

Hier kommte ein Gedicht für Männer. Auch dieses Geburtstagsgedicht ist witzig und lässt sich allein, aber auch zu zweit lesen. Die vier Verse, die immer wiederkehren, können von einer Person, die längeren dazwischen von einer anderen gelesen werden. So macht der Vortrag vielleicht noch mehr Spaß.

Gedicht zum 40. Geburtstag eines Mannes

 

Mit 10 bist du klein, mit 20 jung,
mit 30 gerade so auf dem Sprung,
mit 40 aber – mein lieber Schwan –
fängt tiefstes Mittelalter an!

Für die Disco bist du viel zu alt.
Geh ruhig mal hin, dann merkst du’s bald!
Erst gucken sie alle ziemlich verwirrt,
dann heißt es: „Na, Alter, hast dich verirrt?“
Doch willst du im Job mal was entscheiden,
dann hast du unter den Ältren zu leiden.
Die 60 jährigen tönen im Chor:
„Werd’ erst mal trocken hinterm Ohr!“

Tja: mit 10 bist du klein, mit 20 jung,
mit 30 gerade so auf dem Sprung,
mit 40 aber – mein lieber Schwan –
fängt tiefstes Mittelalter an!

Stell dich mit 40 zur Bundestagswahl,
ich schwöre dir, das wird eine Qual.
Da stellen dich nämlich die alten Säcke,
die oben regieren, ganz flink in die Ecke.
„Viel zu jung und unerfahren“,
darüber ist man sich im Klaren.
Und du denkst, so ein Mist,
dass du grad mal 40 bist!

Tja: mit 10 bist du klein, mit 20 jung,
mit 30 gerade so auf dem Sprung,
mit 40 aber – mein lieber Schwan –
fängt tiefstes Mittelalter an!

Aber versuch mal, ’ne neue Karriere zu starten,
wo du ganz sicher bist, dass die grad auf dich warten.
Du gehst frohen Mutes zur Vorstellung hin,
und dann heißt es: „Eigentlich woll’n wir ein junges Team!"

Tja: mit 10 bist du klein, mit 20 jung,
mit 30 gerade so auf dem Sprung,
mit 40 aber – mein lieber Schwan –
fängt tiefstes Mittelalter an!

Einmal zu alt – einmal zu jung.
einmal zu wenig, mal zuviel Schwung.
Einmal zu jung, dann wieder zu alt,
mal oben, mal unten, das wechselt halt.

So ist das nun. Doch hier kommt Trost:
in 20 Jahren bist du’s los,
weil dann das Mittelalter endet,
womit dein Blatt sich endlich wendet.

Dann bist du nämlich richtig alt,
und glaub mir, das ist schon ganz bald!
Dann darfst du endlich all die Sachen,
für die du heut zu jung bist, machen!

©Renate Eggert-Schwarten

Einige Menschen geraten um die 40 in eine existentielle Krise. Dann ist es nicht ganz einfach für diese Menschen anlässlich des Geburtstags die richtigen Worte zu finden.

Das nächste Gedicht schrieb ich für eine Freundin, die gerade durch ernsthafte Schwierigkeiten ging. Das Gedicht sollte ihr Mut machen sich wieder voller Vertrauen dem Lebensfluss hinzugeben. 
Griechisch "Panta rhei" bedeutet soviel wie "alles ist im Werden, alles fließt".

Panta rhei

„Panta rhei“, alles fließt,

wussten schon die alten Weisen.
„Panta rhei“, fast unbemerkt
sind wir Menschen stets auf Reisen,
sind auf Reisen durch die Zeit
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

„Panta rhei“, alles fließt,
und kein Ding, das lebt, bleibt stehen.
Lässt du dich vom Zeitstrom tragen,
kannst du niemals untergehen.
Willst du leben, musst du wagen,
lass dich mitziehn, lass dich tragen!

Auch im Zeitstrom gibt es Strudel,
die dich in die Tiefe zerren,
die dich beuteln, die dich rütteln,
darfst dich nicht dagegen sperren.
Tauchst du dann ganz tief hinab,
spürst du Boden, stößt dich ab,
bist mit einem Mal im Licht,
also, bitte, fürcht dich nicht!

Manchmal fließt der Zeitstrom langsam,
und du kannst die andern sehen,
die zusammen mit dir reisen,
die dich lieben und verstehen.
Dankbar siehst du, wie es ist:
dass du nie alleine bist.

„Panta rhei“, es fließt das Leben,
kann durch Glück, Leid, Weinen, Lachen
letztlich aus uns dumpfen Wesen
ganze, wahre Menschen machen.
„Panta rhei“, es fließt das Leben,
nimmt uns mit sich durch die Zeit,
prägt uns und verwandelt uns
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

©Renate Eggert-Schwarten