Alltagsgedichte

Einkaufen ist eine recht lästige Alltagspflicht. Beim Warten an der Kasse entstand die Idee zum folgenden Gedicht.

(Huch! Reimt sich ganz ungewollt)

An der Kasse

 

Ich geh nicht in den Supermarkt,

auch wenn man dort sehr günstig parkt,

ich geh zu Tante Emma,

da gibt es kein Dilemma

mit dreiundzwanzig Kassen,

wo sie dich warten lassen.

 

Bei dreiundzwanzig Kassen

– es ist doch nicht zu fassen –

sind leider nur zwei offen.

Jetzt bleibt dir nur zu hoffen,

dass von den beiden langen

Geduld fordernden Schlangen

du in der schnellen bist,

wobei damit zu rechnen ist,

dass du die falsche wählst

und dich zur Kasse quälst...

 

Und siehe da, es stimmt genau,

in deiner Schlange gibt es Stau!

Es ist der nette, alte Mann,

der nicht mehr richtig gucken kann.

Er wendet mehrmals jeden Cent,

weil er ihn nicht genau erkennt

und hält dann der Kassiererin

das Portemonnaie ergeben hin...

 

Ein Strichcode ist total verschmutzt,

es nützt nichts, dass man reibt und putzt,

hier ist es Zeit für Handarbeit.

Wie das die Warteschlange freut!

Für jedes kleine Strichelein

gibt’s eine Ziffer, winzig klein,

die wird ganz sorgsam eingetippt,

die ganze Schlange fiebert mit,

denn, tippt man vier statt einer zwei,

beginnt die Tipperei aufs Neu’.

 

Ist das geschafft, kommt noch geschwind

die junge Mutter mit dem Kind,

das sich die Lungen kräftig brüllt,

weil keiner seinen Wunsch erfüllt

nach Schokolade und Lakritz.

Es beugt sich aus dem Kindersitz

und greift ein Überraschungsei,

die Mutter schiebt, es greift vorbei.

Was es dann gibt? Noch mehr Geschrei!

 

Die schlimmsten Stau- und Zornerreger

sind wohl die „Anders-Überleger“,

die sich erst nach dem Kauf entschließen,

dass sie nicht alles haben müssen,

was da im Einkaufswagen liegt,

teils, weil es einfach zu viel wiegt,

teils, und das ist recht oft zu finden,

auch aus rein pekuniären Gründen.

 

So gibt man dann manch teures Stück

mit rotem Kopf verschämt zurück.

Rein in die Kasse, wieder raus –

das hält der stärkste Mensch nicht aus!

 

Doch endlich bist auch du am Ziel,

gleich bist du durch, es fehlt nicht viel.

Den Einkauf sauber auf das Band,

das Portemonnaie schon in der Hand,

hast du die Zeit unter Kontrolle,

wäre da nicht die volle Rolle...

 

„Das Wechseln dauert gar nicht lange“-

bei diesem Satz wird dir ganz bange….

und weil man sich nun sehr beeilt,

hat sich die Rolle schon verkeilt.

 

Wenn du auch das durchstanden hast,

du hast bezahlt und gehst gefasst

zurück zu deinem Wagen

und willst ihn grad beladen,

da denkst du an das Suppenhuhn,

das andre in die Suppe tun.

 

Weil Einkäufe dich so sehr stressen,

hast du es offenbar vergessen!

Nach allem, was du durchgemacht,

fühlst du dich nun verständlich schwach,

bist weder Stau noch Kinderfaxen

ein zweites Mal für heut gewachsen.

Bei dir gibt es die Hühnersuppe

jetzt ohne Huhn – das ist dir schnuppe.

©Renate Eggert-Schwarten

Die Sache mit der Vergesslichkeit kennt beinahe jeder - insbesondere diejenigen von uns, die über 50 sind und Teile ihres Hausstandes im Keller untergebracht haben...

Im Keller

 

Hier stehe ich im Keller

und blicke mich verstohlen

nach allen Seiten um:

ich wollte etwas holen,

 

doch was es ist,

weiß ich nicht mehr,

wo ist mein Hirn?

Mein Kopf scheint leer.

 

Ich denke vor und denk zurück,

doch alles Memorieren

bleibt ohne jedes Resultat.

Ich werd hier noch erfrieren!

 

Eines ist klar: ging ich hinauf,

dann fiele mir gewiss

der Gegenstand gleich wieder ein,

bei dem der Faden riss…

 

Doch Rückzug kommt heut nicht infrage,

selbst wenn er hilfreich wäre,

da bleibe ich ganz unerbittlich:

hier geht’s um meine Ehre!

 

So sitz ich auf den Stufen,

Mein Po wird langsam kalt,

als drängend eine Stimme

von oben zu mir schallt:

 

Wo bleibst du denn? Das Wasser spritzt!

Es dauert nicht mehr lange,

dann fließt es auch noch in den Flur -

ICH BRAUCHE MEINE ZANGE!

©Renate Eggert-Schwarten

Wer je im Krankenhaus war, weiß, wovon ich im nächsten Gedicht rede.

Im Krankenhaus

 

Das Krankenhaus ist eine Werkstatt für den Menschen.

Dort werden Kranke repariert.

Nun ist der Mensch nicht Auto noch Maschine,

und deshalb heißt es bei ihm: „therapiert“.

 

Das Krankenhaus muss funktionieren,

darum wird jede Stunde gut genutzt,

es wird ab sechs geweckt, gewaschen und gefüttert,

der Patient vermessen und der Raum geputzt.

 

Es gibt Besuchsdienst und Visiten,

am Vormittag kommt auch die Klinikbücherei

mit ihrer Sammlung von Romanen

und abgewetzten Krimis kurz vorbei.

 

Und zwischendurch gibt es Gymnastik,

man nennt es Physiotherapie.

Sie hält den Kranken auch beweglich,

wenn er kaum aufsteht oder nie.

 

Am Nachmittag kommt die Familie,

auch gute Freunde, der Kegelclub,

sind sie dann alle heimgegangen,

steht bei dem Nachbarn solch ein Trupp.

 

Ist die Besuchszeit überstanden,

fühlt sich der Kranke etwas matt,

doch soll er jetzt zu Abend essen,

egal, ob hungrig oder satt.

 

Der Nachbar möchte am Abend fernseh‘n,

der Kranke zöge das Lesen vor,

bei dem Geflimmer ist das unmöglich,

er legt versuchsweise sich aufs Ohr.

 

Zur Nacht verteilt man noch einmal Pillen,

sie sollen helfen gegen Schmerz,

„gibt es auch welche gegen Schnarchen?“

das laut zu fragen, bringt man nicht übers Herz.

 

In dieser Werkstatt für kranke Menschen

kommt dann die dunkle und lange Nacht,

die ihre Schatten zu Spukgestalten

und ihre Sorgen zu Ängsten macht.

 

So reiht sich ein Tag an den andern.

Das Vollprogramm zwingt jeden in die Knie.

Der Mensch wird täglich etwas gesünder,

jedoch zum Schlafen kommt er nie.

©Renate Eggert-Schwarten